Grundlagen

Container-Nummer und CSC-Plakette lesen: was ein Container über sich verrät

Jeder Seecontainer trägt eine Art Ausweis: Nummer, Typcode und Zulassungsplakette. Wer sie lesen kann, erkennt beim Gebrauchtkauf in zwei Minuten, ob Angebot und Container zusammenpassen.

10 Min. Lesezeit Aktualisiert: 25. September 2026

Warum sich der Blick auf die Kennzeichnung lohnt

Ein Seecontainer ist ein genormtes Transportmittel, und die Norm schreibt vor, dass er sich eindeutig ausweist. An jedem Container finden Sie deshalb drei Informationsblöcke: die Container-Nummer, den Größen- und Typcode und die CSC-Plakette an der Tür.

Für Käufer ist das mehr als Fachwissen. Mit diesen drei Angaben können Sie prüfen, ob der Container zum Angebot passt, ob die Nummer echt ist, wie alt er ist und ob er noch für den Seetransport zugelassen ist. Gerade beim Gebrauchtkauf aus der Ferne ist das eine der wenigen Angaben, die sich nicht schönfotografieren lässt.

Die Container-Nummer nach ISO 6346

Die Container-Nummer steht in großen Zeichen an beiden Stirnseiten, an den Längsseiten und auf dem Dach. Sie besteht immer aus elf Zeichen und folgt der internationalen Norm ISO 6346.

StelleBeispielBedeutung
1–3CSQEigentümercode, drei Buchstaben
4UKategorie des Geräts
5–10305438Seriennummer, sechs Ziffern
113Prüfziffer, meist umrahmt dargestellt

Eigentümercode. Die ersten drei Buchstaben identifizieren den Eigentümer oder Betreiber – eine Reederei, einen Leasinggeber oder einen Händler. Die Codes werden zentral vom Bureau International des Containers (BIC) in Paris vergeben. Deshalb spricht man auch vom BIC-Code.

Kategoriekennung. Der vierte Buchstabe sagt, um welche Art Gerät es sich handelt:

BuchstabeBedeutung
UFrachtcontainer – der Normalfall
Jabnehmbares Zubehör, z. B. ein Aggregat
ZTrailer oder Chassis

Steht an Position vier etwas anderes als U, J oder Z, ist die Nummer nicht normgerecht.

Seriennummer. Sechs Ziffern, vom Eigentümer vergeben. Führende Nullen gehören dazu.

Prüfziffer. Die letzte Ziffer wird aus den zehn Zeichen davor berechnet. Sie dient dazu, Tippfehler und erfundene Nummern zu erkennen. Und genau das können Sie selbst nachrechnen.

Die Prüfziffer selbst nachrechnen

Das Verfahren wirkt auf den ersten Blick umständlich, ist aber in fünf Minuten erledigt – mit einem Taschenrechner oder einer Tabellenkalkulation.

Schritt 1: Buchstaben in Zahlen umwandeln. Jeder Buchstabe erhält einen festen Wert. Die Werte beginnen bei 10 und lassen alle Vielfachen von 11 aus, also 11, 22 und 33:

ABCDEFGHIJKLM
10121314151617181920212324
NOPQRSTUVWXYZ
25262728293031323435363738

Ziffern behalten ihren eigenen Wert.

Schritt 2: Jede Stelle gewichten. Die erste Stelle wird mit 1 multipliziert, die zweite mit 2, die dritte mit 4 – der Faktor verdoppelt sich also mit jeder Stelle bis 512.

Schritt 3: Alles addieren, durch 11 teilen, den Rest nehmen. Der Rest ist die Prüfziffer. Ergibt sich ein Rest von 10, lautet die Prüfziffer 0.

Durchgerechnet am Beispiel CSQU 305438:

ZeichenWertFaktorProdukt
C13113
S30260
Q284112
U328256
331648
00320
5564320
44128512
33256768
885124.096
Summe6.185

6.185 geteilt durch 11 ergibt 562 Rest 3. Die vollständige Nummer lautet also CSQU 305438 3 – und genau diese 3 muss rechts neben der Seriennummer am Container stehen.

Was Ihnen das beim Kauf bringt: Stimmt die Prüfziffer nicht, ist entweder die Nummer im Angebot falsch abgetippt oder sie existiert so nicht. Beides ist ein Grund, nachzufragen, bevor Geld fließt. Fordern Sie beim Gebrauchtkauf immer ein Foto, auf dem die Nummer des konkreten Containers lesbar ist, und rechnen Sie sie nach. Mehr zur Prüfung vor dem Kauf im Beitrag Gebrauchten Container kaufen.

Der Größen- und Typcode

Direkt unter oder neben der Container-Nummer steht ein vierstelliger Code, etwa 22G1 oder 45G1. Er beschreibt Abmessungen und Bauart.

Erste Stelle – Länge:

ZeichenLänge
110 Fuß
220 Fuß
330 Fuß
440 Fuß
L45 Fuß

Zweite Stelle – Höhe:

ZeichenHöheBezeichnung
08’0” (2.438 mm)niedrige Bauform, heute selten
28’6” (2.591 mm)Standardhöhe
59’6” (2.896 mm)High Cube

Dritte und vierte Stelle – Bauart:

CodeBauart
G0, G1Standardcontainer (General Purpose), G1 mit Lüftungsöffnungen oben
R1Kühlcontainer mit eigenem Kälteaggregat
U1Open Top mit abnehmbarem Dach
P1Flat Rack mit festen Stirnwänden
T…Tankcontainer

Die häufigsten Kombinationen, die Ihnen im Handel begegnen:

CodeBedeutung
22G120 Fuß, Standardhöhe, Standardcontainer
42G140 Fuß, Standardhöhe, Standardcontainer
45G140 Fuß, High Cube, Standardcontainer
L5G145 Fuß, High Cube, Standardcontainer
45R140 Fuß, High Cube, Kühlcontainer
22U120 Fuß, Open Top

Achtung bei der zweiten Stelle: Die 4 in 45G1 steht für die Länge (40 Fuß), die 5 für die Höhe (High Cube). Ein 45G1 ist also kein 45-Fuß-Container – der hätte ein L vorne.

Praktischer Nutzen: Wird Ihnen ein „40 Fuß High Cube” angeboten und am Container steht 42G1, handelt es sich um einen Container mit Standardhöhe. Der Unterschied beträgt rund 30 Zentimeter Innenhöhe – bei einem Ausbau zum Aufenthaltsraum ein erheblicher Unterschied. Die Maße im Detail finden Sie unter Container-Größen und Maße.

Die CSC-Plakette an der Tür

An der linken Tür, meist auf einer Metallplatte gemeinsam mit weiteren Schildern, sitzt die CSC-Plakette. CSC steht für das Internationale Übereinkommen über sichere Container von 1972. Die Plakette bestätigt, dass der Container für den Transport zugelassen ist.

Die wichtigsten Angaben darauf:

AngabeBedeutung
Zulassungsland und -nummerWer den Bautyp zugelassen hat
HerstellungsdatumMonat und Jahr der Fertigung – das tatsächliche Alter
Identifikationsnummerentspricht der Container-Nummer
Maximales BruttogewichtContainer plus Ladung, typisch ca. 30.480 kg bei 20 Fuß
Zulässige StapellastGewicht, das auf dem Container gestapelt werden darf
Querstabilität (Racking)Prüflast für seitliche Verformung
Nächste Prüfung oder ACEPHinweis auf den Prüfstatus

Das Herstellungsdatum ist für Käufer die wertvollste Angabe auf der Plakette. Es verrät das echte Alter des Containers, unabhängig davon, was im Angebot steht.

Der Prüfstatus ist nur relevant, wenn der Container tatsächlich noch auf See oder im internationalen Verkehr eingesetzt werden soll. Nach dem Übereinkommen muss ein Container regelmäßig untersucht werden: die erste Prüfung spätestens fünf Jahre nach Herstellung, danach in Abständen von höchstens 30 Monaten. Alternativ kann der Eigentümer an einem genehmigten fortlaufenden Prüfprogramm teilnehmen, erkennbar am Vermerk ACEP auf der Plakette.

Was das für Ihre Kaufentscheidung bedeutet

Für die allermeisten Käufer in Deutschland ist die CSC-Zulassung ohne Bedeutung. Ein Container, der als Lager, Werkstatt oder Gartenhaus stationär auf einem Grundstück steht, braucht keine gültige Plakette. Das ist der Grund, warum die Zustandsklasse „wind- und wasserdicht” günstiger ist als „Cargo Worthy”: Der Container ist dicht, aber nicht mehr für den Seetransport zertifiziert.

Anders sieht es aus, wenn Sie den Container selbst verschiffen wollen – etwa für einen Umzug ins Ausland. Dann brauchen Sie einen Container mit gültiger Plakette oder ACEP-Vermerk, und es lohnt der Aufpreis für einen „Cargo Worthy”-Container.

VerwendungCSC-Plakette nötig?Worauf Sie achten sollten
Lager auf eigenem GrundstückneinDichtheit, Boden, Türen
Ausbau zu Büro oder WohnraumneinAlter, Rost, Innenhöhe laut Typcode
Transport per Lkw im Inlandin der Regel neinGewicht, Eckbeschläge intakt
Eigener Seetransportjagültige Prüfung oder ACEP
Weiterverkauf an Seefracht-KundenjaPlakette erhöht den Wiederverkaufswert

Checkliste: zwei Minuten am Container

Wenn Sie einen Container besichtigen oder Fotos anfordern, prüfen Sie diese fünf Punkte:

  1. Nummer vollständig und lesbar? Elf Zeichen, Position vier ist U, J oder Z.
  2. Prüfziffer nachgerechnet? Stimmt sie, ist die Nummer zumindest formal korrekt.
  3. Nummer überall gleich? Stirnseite, Längsseite und Plakette sollten dieselbe Nummer zeigen. Abweichungen deuten auf einen umlackierten oder aus Teilen zusammengesetzten Container hin.
  4. Typcode passt zum Angebot? Insbesondere High Cube (5 an zweiter Stelle) gegen Standardhöhe (2).
  5. Herstellungsdatum auf der Plakette? Das ist das tatsächliche Alter – vergleichen Sie es mit der Angabe im Angebot.

Fehlen Nummer oder Plakette ganz, ist das nicht automatisch ein Ausschlusskriterium. Ältere Container werden oft umlackiert, wobei Kennzeichnungen verloren gehen. Sie verlieren damit aber die einfachste Möglichkeit, Alter und Herkunft zu prüfen, und sollten den Zustand umso genauer ansehen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag beschreibt die Kennzeichnung nach ISO 6346 und dem CSC-Übereinkommen in allgemeiner Form. Einzelheiten der Normen, Codelisten und Prüffristen können sich ändern; maßgeblich sind die jeweils gültigen Fassungen. Die angegebenen Gewichte sind typische Werte und können je nach Bautyp abweichen – verbindlich sind die Angaben auf der Plakette des konkreten Containers.

Fazit

Container-Nummer, Typcode und CSC-Plakette sind der Ausweis eines Seecontainers, und sie lassen sich ohne Fachkenntnis lesen. Mit der Prüfziffer erkennen Sie falsche oder erfundene Nummern, mit dem Typcode prüfen Sie, ob wirklich ein High Cube vor Ihnen steht, und mit dem Herstellungsdatum auf der Plakette erfahren Sie das echte Alter. Die CSC-Zulassung selbst brauchen Sie nur, wenn der Container wieder auf See gehen soll – für die stationäre Nutzung ist sie verzichtbar.

Weiterführend: Gebrauchten Container kaufen, Seecontainer-Typen und Angebote vergleichen und Preise verhandeln.

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